Fünf Kandidaten. Vierzehn Staaten. 1.357 Delegierte. Ein „Super Tuesday“.

Joe Biden hatte einen „Super Tuesday“, der seine kühnsten Träume übertraf. Dabei gewann er selbst in Bundesstaaten, die er in letzter Zeit noch nicht einmal besucht hat, u.a. in Massachusetts. Nachdem die Wähler in insgesamt 14 Staaten abgestimmt haben, wird das Rennen um die Nominierung zu einem Duell zwischen Senator Bernie Sanders und dem ehemalige Vizepräsidenten Joe Biden.

Vor einer Woche wäre solch ein Ergebnis noch nahezu undenkbar gewesen. Nur wenige Präsidentschaftskandidaten haben im Laufe der Jahre eine politische Achterbahnfahrt überstanden, die mit dem Verlauf von Bidens Kampagne in den letzten Wochen vergleichbar ist. Biden führte das Feld den größten Teil des vergangenen Jahres an, brach jedoch nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire Anfang letzten Monats in den nationalen Umfragen ein. Ein unerwartet starkes Resultat in South Carolina letzten Samstag machte jedoch deutlich, dass seine Wählerbasis – insbesondere viele farbige Wähler – stabil ist.

„Super Tuesday“ gilt als der wichtigste Tag im Vorwahlprozess. Er hat das Potenzial, einen Kandidaten zum deutlichen Favoriten für die Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu machen. Allein an diesem Tag wurde ein gutes Drittel der insgesamt 3.979 Delegiertenstimmen für den Parteitag der Demokraten vergeben.

Ein Grund für Bidens „Super Tuesday“ Comeback: Kurz nach dem Wahlgang in South Carolina am Samstag hat er das Momentum des Siegers bekommen, das Sanders nach New Hampshire und Nevada hatte. Auch haben die beiden anderen moderaten Bewerber Senatorin Amy Klobuchar und Pete Buttigieg ihre Kampagnen beendet und zur Wahl Bidens aufgerufen. Beide haben sich entschlossen, Biden gegen Sanders zu unterstützen, einen „demokratischen Sozialisten“, dessen allgemeine Wahlaussichten von einem Großteil der Parteiführung skeptisch betrachtet werden.

Obwohl Biden eine überraschende starke Leistung zeigte, gewann Sanders die Vorwahl, bei der die meisten Delegiertenstimmen vergeben wurden, Kalifornien. Er begann den Tag mit einem bescheidenen Vorsprung bei der Zahl der Delegierten und wollte diesen ausbauen. Dabei setzte er darauf, dass er, nachdem er einen Großteil der Linken der Partei konsolidiert hatte, besser organisiert und besser finanziert war als jeder der gemäßigteren Kandidaten mit Ausnahme von Michael Bloomberg. Sanders bewies tatsächlich auch am Super Tuesday seine Stärke bei den Wählern, die traditionell bisher seine politische Basis bildeten: Junge Latinos, Linke und unter 40-Jährige. Er bemühte sich jedoch, seine Anziehungskraft auf ältere Wähler und Afroamerikaner auszudehnen.

Sanders steht jetzt vor der Herausforderung, Bidens Dynamik zu stoppen. Der vielleicht größte Test wartet schon nächste Woche in Michigan. Das ist ein Staat, in dem Sanders vor vier Jahren klar gegen Hillary Clinton gewann, und der zugleich für die Wählerschaft der Demokratischen Partei, für die „Wählbarkeit“ und ein Sieg gegen Präsident Donald Trump entscheidend ist, besonders wichtig geworden ist.

Nach seinem schlechten Abschneiden beim „Super Tuesday“ gab New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg bereits auf. Er will nun Biden unterstützen. Senatorin Elizabeth Warren war an diesem Dienstag ebenfalls eine große Verliererin. Selbst in ihrem Heimatstaat Massachusetts belegte sie nur den dritten Platz. Linke Demokraten setzen sie bereits unter Druck, das Rennen zu verlassen, um die Unterstützung für Sanders zu festigen.

Die Ergebnisse verdeutlichen die Unterschiede in der Partei

Nach dem „Super Tuesday“ wird der demokratische Nominierungsprozess zur Auseinandersetzung zwischen zwei Vertretern konkurrierender Flügel der Partei: Biden im politischen Zentrum und Sanders auf dem linken Flügel. Die unterschiedlichen politischen Koalitionen, die die beiden über siebzigjährigen Politiker um sich versammelt haben, deuten auf einen langen und langwierigen Kampf hin. Einer der größten Unterschiede zwischen den Lagern von Biden und Sanders ist derzeit generationell: Biden gewinnt bei ältere Wählern deutlich; Sanders ist bei den jüngeren Wähler beliebter. Sie werden heftig um alle dazwischen streiten. So wird wahrscheinlich die Nominierung der Demokratischen Partei von dem Kandidaten gewonnen, der diejenigen zwischen 40 und 65 Jahren begeistern kann.

Aber die Konsequenz, die bleibt – nach einem Jahr des Aussortierens eines breiten Kandidatenfeldes, das einst viele Frauen, Minderheitskandidaten und aufstrebende politische Talente umfasste – ist, dass die Demokraten sehr wahrscheinlich einen von zwei alten weißen Männern mit politischem Ballast nominieren werden. Welcher der beiden es sein wird, ist noch  nicht entschieden, aber Bidens Chancen sind am Super Tuesday erheblich gestiegen.

Hanna Rudorf, Regional Communications Officer & Policy Analyst, FNF North America